Stadtwerke Herne AG




Flügelradzähler oder Ringkolbenzähler?

Informationen zu Hauswasserzählern

Bild eines Wasserhahns

Es dürfen nur solche Wasserzähler verwendet werden, welche amtlich zugelassen und geeicht sind. Die hierfür zuständigen Eichbehörden und die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) haben wiederholt bestätigt, dass die Messfehler geeichter Wasserzähler unabhängig von deren Bauart und Messprinzip im zulässigen Bereich liegen, wenn die Wasserzähler für den jeweiligen Verwendungszweck richtig ausgewählt werden. Als maßgebend für die richtige Dimensionierung wird das DVGW-Arbeitsblatt W 406 angesehen, nach welchem auch die Wasserversorgung Herne die Wasserzähler dimensioniert.
In Ein- und Mehrfamilienhäusern sind sowohl geeichte Flügelradzähler, als auch geeichte Ringkolbenzähler zugelassen und bei richtiger Dimensionierung geeignet. Beide Zählerbauarten sind seit Jahrzehnten parallel auf dem Markt erhältlich und unterliegen der Eichpflicht. Sowohl für Ringkolben-, als auch für Flügelradzähler beträgt die Eichgültigkeitsdauer 6 Jahre.

Erhöhte Kosten durch den Nachlauf von Flügelradzählern?
In Verbindung mit der Verwendung von Flügelradzählern wurde das Nachlaufverhalten der Zähler kritisiert. Der Nachlauf hat für eine bestimmte Zählergröße, einen bestimmten Durch-fluss und eine bestimmte Schließgeschwindigkeit eine nahezu konstante Größe. Er fällt deshalb prozentual umso stärker ins Gewicht, je kleiner die entnommene Wassermenge ist.
Wie wirkt sich dieser Nachlauf nun auf die Gesamtanzeige eines Jahresverbrauchs aus? Ein Rechenbeispiel zeigt, dass sich die hohen Messabweichungen bei Kleinstmengenentnahmen auf den gesamten Jahresverbrauch kaum auswirken:
Beträgt der Nachlauf bei einer Entnahme mit schnellem Schließvorgang z. B. 0,01 l, dann entspricht dies bei einer Entnahme von nur 0,1 l einer Messabweichung von 10%, bei 1 l sind es 1,00 %, bei 10 l 0,10 % und bei 100 l 0,01 %.
Beispielrechnung:
Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch in Deutschland von ca. 122 l pro Person und Tag, fallen im Tagesverlauf größere Abnahmemengen, wie z. B. beim Duschen mit 50 l oder bei der Toilettenspülung mit 6 – 9 l an. Die Abnahme von Kleinstmengen, z. B. für das Kochen von Kartoffeln, spielt dagegen im Verhältnis zum Tagesverbrauch eine untergeordnete Rolle. Wenn nun 50x am Tag eine Kleinstmenge von 200 ml (dies entspricht etwa einem Wasserglas) entnommen wird, so ergibt dies 10 l / Tag. Die übrigen 112 l werden in „normalen“ Mengen entnommen, d. h. der Nachlaufeffekt macht sich hier wenig bemerkbar. Wenn diese Kleinstmengen nun – wie in der Praxis beobachtet – mit einem Fehler von 10% gemessen würden, so wäre die Menge 11 l, somit insgesamt 123 l pro Tag. D. h. der Gesamtfehler beträgt hier auf die Tagesmenge bezogen 0,8 %. Auf ein Jahr hochgerechnet würde o.g. Person 365 Tage x 122 l/Tag = 44,53 m³ verbrauchen, gemessen worden wären jedoch (unter der Annahme, dass jeden Tag die o.g. Kleinstmengen entnommen werden) 365 Tage x 123 l/Tag = 44,90 m³, somit 365 l mehr als eigentlich entnommen wurden. Bei einem Mengenpreis von 1,5622 €/m³ Wasser sind dies für eine Person ca. Mehrkosten in Höhe von 0,57 €, die durch die Mehrmessung pro Jahr entstanden sind.
Diese Nachlaufeffekte treten bei der schnellen Betätigung von Einhebelmischern auf und lassen sich vermeiden, indem man den Einhebelmischer langsam und nicht schlagartig schließt. Hierdurch werden zudem Druckstöße in der Hausinstallation vermieden, welche ggf. sogar zu Rohrbrüchen führen können. Einschlüsse von Luft in nicht fachgerecht hergestellten und schlecht gewarteten Installationen und undichte Armaturen und Spülkästen verstärken diesen Effekt noch.
Beim Öffnen eines Wasserhahns muss das Flügelrad erst in Rotation versetzt werden, d.h. der Zähler läuft erst bei einem gewissen Durchfluss an, man spricht vom Anlaufverhalten eines Wasserzählers. Zum Teil kompensiert dieser ungemessene Wasserdurchfluss die Mehrmessung durch den Nachlauf.

Vor- und Nachteile von Ringkolbenzählern und Flügelradzählern
Warum werden in Deutschland so gut wie keine Ringkolbenzähler verwendet? Grundsätzlich gibt es kein „perfektes“ Messgerät. Jedes Messprinzip hat Vor- und Nachteile, die abgewogen werden müssen:

  • Flügelradzähler sind robuste Messgeräte, sie wurden seit ihrer Markteinführung 1862 kontinuierlich weiter entwickelt.
  • Flügelradzähler sind unabhängig von der Wasserbeschaffenheit messbeständig und liefern bei richtiger Dimensionierung über die Eichgültigkeitsdauer hinweg Messergebnisse, die deutlich besser sind als die vom Gesetzgeber vorgegebenen Fehlergrenzen.
  • Flügelradzähler sind preisgünstiger als Ringkolbenzähler, insbesondere können sie nach Ablauf der 6 Jahre Eichgültigkeitsdauer im Gegensatz zu den Ringkolbenzählern ökologisch und ökonomisch aufgearbeitet werden, wodurch weitere Kosten gespart werden können. Aus dem v. g. Rechenbeispiel kann man z. B. ersehen, dass die Mehrmessung durch den Nachlauf in 6 Jahren zu 3,42 € führen würde. Die Preisdifferenz zum Ringkolbenzähler ist jedoch deutlich höher.
  • Ringkolbenzähler mussten wegen starker Geräuschentwicklung auf Wunsch von Kunden wieder gegen Flügelradzähler ausgetauscht werden.
  • Ablagerungen im Ringkolbenzähler verursachen oft einen Stillstand und führen zu Versorgungsunterbrechungen – der Flügelradzähler behindert den weiteren Wasserdurchfluss hingegen nicht, er wird lediglich nicht gezählt.
  • Ringkolbenzähler verursachen deutlich höhere Druckverluste als Flügelradzähler.

Um die Störungshäufigkeit zu minimieren und dadurch die Gesamtkosten für eine allen Anforderungen des Eichrechts genügende Wassermessung - auch im Interesse der Kunden - möglichst niedrig zu halten, werden von der Wasserversorgung Herne und der überwiegenden Anzahl von Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland und Europa daher ausschließlich die robusten und über Jahrzehnte bewährten Flügelradzähler eingesetzt, da richtig dimensionierte Flügelradzähler ebenso wie Ringkolbenzähler bei dem für Haushalte üblichen Verbrauchsverhalten die zulässigen Verkehrsfehlergrenzen einhalten. Um dies zu gewährleisten, prüft die Wasserversorgung Herne im Rahmen des nach den eichrechtlichen Bestimmungen erforderlichen regelmäßigen Austauschs der Wasserzähler alle 6 Jahre zusätzlich die richtige Dimensionierung der Zähler.
Die in einigen Medien genannten deutlich größeren Mehrmessungen bei Flügelradzählern resultieren aus dem Vergleich von zu groß bemessenen Flügelradzählern mit richtig bemessenen Ringkolbenzählern.


Landesprojekt Benchmarking Wasserversorgung NRW 2015 16

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