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Regionales Engagement von Unternehmen

Auf gute Nachbarschaft!

 

Von Sponsoring bis Klimaschutz: Immer mehr Unternehmen engagieren sich über das normale Geschäftliche hinaus – häufig ganz gezielt in ihrer Heimat. Was es bringt, gesellschaftlichen Einsatz zu zeigen.

Früh übt sich: Zum Unterrichtsstart nach den Sommerferien verteilen die Stadtwerke Herne alljährlich Trinkflaschen an Herner „i-Dötzchen“. Ziel der Aktion ist es, Trinkpäckchen und Einwegflaschen in den Klassenzimmern zu vermeiden – und so schon bei den Kleinsten ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen. Von Bildungsorten über Sportvereine bis hin zu Kulturevents wie Tegtmeiers Erben: Der kommunale Energieversorger stellt Jahr für Jahr Mittel für vielfältige Sponsoring-Aktivitäten bereit.

 

Bekenntnis zur Heimatstadt

Wie die Stadtwerke Herne setzen sich immer mehr Unternehmen in Deutschland freiwillig für die Gesellschaft ein – für viele eine selbstverständliche Aufgabe, wie eine Befragung von Stifterverband und Bertelsmann Stiftung zeigt: Knapp 60 Prozent der repräsentativ ausgewählten Firmen gaben darin im November 2020 an, sie sähen sich in der Verantwortung, sich zu engagieren.

Oft steht dabei die eigene Heimat im Fokus. „Es gibt einen räumlichen Bezug: Viele Unternehmer tun sich gezielt in ihrer Region oder in ihrem Quartier um“, erklärt Prof. Matthias Kiese, der sich an der Ruhr-Universität Bochum mit dem Phänomen beschäftigt. Der Geograf spricht in diesem Zusammenhang von Corporate Regional Responsibility, angelehnt an den etablierten Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR). Auch Hendrik Peuser, zuständig für die Unternehmenskommunikation bei den Stadtwerken, sagt: „Wir sind mit der Region fest verbunden. Deshalb wollen wir das Leben in unserer Stadt aktiv und verantwortungsvoll mitgestalten.“

Dass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, hat Tradition: Die Wurzeln von CSR reichen bis ins Zeitalter der Industrialisierung zurück. Damals reagierten Unternehmer auf Forderungen nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen – indem sie Krankenhäuser und Wohnungen für Arbeiterfamilien bauten. Im Ruhrgebiet ist dieses Wirken bis heute an zahlreichen Stellen sichtbar: „Industrielle haben uns zum Beispiel Siedlungen wie die Essener Margaretenhöhe beschert“, sagt Kiese.

 

Nachhaltigkeit im Fokus

Heute deckt das bürgerschaftliche Engagement der Wirtschaft eine breite Palette an Aktivitäten ab: Vereine und Kulturveranstaltungen zu unterstützen, gehört ebenso dazu wie sich um das Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter oder faire Handelsbeziehungen zu kümmern. Auch wer junge Start-ups fördert oder Aufträge gezielt vor der eigenen Haustür vergibt, übernimmt gesellschaftliche Verantwortung am Firmensitz.

Die Belange, für die sich Unternehmen einsetzen, haben sich im Laufe der Zeit gewandelt – neben sozialen rücken zunehmend weitere Aspekte in den Fokus. „Aktuell ist der Einsatz für die Natur und das Klima ein wichtiges Thema“, sagt Kiese. Auch bei den Stadtwerken: „Als Energieversorger stehen wir hier in einer besonderen Verantwortung“, erklärt Hendrik Peuser.

Aus diesem Grund investiert das Unternehmen in erneuerbare Energien und den Ausbau des Ladenetzes für Elektrofahrzeuge. Doch nicht nur das: Mit Effizienzprojekten wie dem Klimaviertel oder dem grünen Wärmenetz in Herne-Horsthausen entwickeln die Stadtwerke schon heute Versorgungskonzepte für die Zukunft. Auch die eigene Treibhausgasbilanz stellen sie regelmäßig auf den Prüfstand. Und in den Schulen der Stadt hört es bei Trinkflaschen noch lange nicht auf. Bereits seit 2004 bieten die Stadtwerke in Kooperation mit der Deutschen Umweltaktion allen vierten Klassen in Herne Umweltunterricht an. Darin geht es um energiesparendes Verhalten und ökologische Zusammenhänge wie den Klimawandel – kindgerecht erklärt, mit vielen praktischen Beispielen.

Die Stadtwerke bringen Klima- und Umweltschutz auf den Stundenplan.

 

Engagement als Wettbewerbsvorteil

Mehr Lebensqualität, mehr Nachhaltigkeit, mehr Wirtschaftskraft: „Unternehmerisches Engagement bringt Regionen wie dem Ruhrgebiet echten gesellschaftlichen oder ökologischen Mehrwert. Es schafft Dinge, die mit öffentlichen Mitteln allein oft nicht möglich gewesen wären“, so Kiese. Doch auch die handelnden Unternehmen profitieren – ihr Einsatz kann ein Wettbewerbsvorteil sein. Warum? Da wäre zum einen der offensichtliche Image-Gewinn. Zum anderen verbessern strategisch klug gewählte Aktivitäten die Standortbedingungen, steigern die Zufriedenheit der Mitarbeiter und machen die Firma in der Außenwahrnehmung attraktiver – zum Beispiel für gut qualifizierte Fachkräfte.

Tatsächlich ist das Thema Verantwortung ein Recruiting-Faktor: Gerade junge Menschen suchen heute gezielt nach Arbeitgebern, die Haltung zeigen und sich für eine bessere Welt einsetzen. „Wir merken, dass das zunehmend zum Kriterium wird“, bestätigt Peuser.

Stadtwerke-Kunde Dr. Ludger Kleyboldt vom NWB Verlag ist als CSR-Botschafter aktiv. Auch er betont die Bedeutung verantwortungsvollen Handelns für seine Firma: „Als Familienunternehmer versuche ich, über den Horizont des kurzfristigen Erfolgs hinauszudenken und das Unternehmen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Ich bin überzeugt: Das geht nur durch nachhaltiges Wirtschaften.“

Viele Gründe sprechen also dafür, als Unternehmen gesellschaftliches Engagement zu zeigen. Besonders nachhaltig sind dabei langfristige Projekte, die zur Stadt- und Regionalentwicklung beitragen. „Aber als einzelner Betrieb kann man auch im Kleinen etwas bewirken“, betont Kiese. Das habe sich zum Beispiel während der Corona-Pandemie gezeigt: „Ein Klassensatz Laptops kostet keine Millionen. Aber im Lockdown haben Sponsorings dieser Art vielen Schülern geholfen.“ Übrigens muss Engagement nicht immer finanzieller Art sein: „Auch wer seinen Mitarbeitern ermöglicht, während der Arbeitszeit für eine gute Sache tätig zu werden, macht einen Unterschied“, sagt Kiese.

Einen Unterschied machen wollen die Stadtwerke Herne bald auch wieder bei den Erstklässlern der Stadt – und es wird nicht die letzte Aktion dieser Art sein, betont Hendrik Peuser: „Als kommunaler Versorger werden wir unsere Verantwortung auch in Zukunft wahrnehmen.“

Gemeinsam lässt sich mehr erreichen

Das gilt auch beim Thema bürgerschaftliches Engagement. Zwei Anlaufstellen:

 

  • Seit 1989 setzt sich der Initiativkreis Ruhr für das Ruhrgebiet ein. Sein Ziel: Die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion nachhaltig zu stärken. Mehr als 70 Unternehmen und Institutionen engagieren sich zu diesem Zweck in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Kultur. Ihrem Einsatz haben wir etwa das renommierte Klavier-Festival Ruhr zu verdanken und die Gründer-Initiative – eine Allianz, die innovative Startups fördert. https://i-r.de
  • Sie möchten aktiv werden, wissen aber nicht so recht wie? Sogenannte CSR-Kompetenzzentren unterstützen Unternehmen bei dem Ziel, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die regionalen Netzwerke bieten Raum für Erfahrungsaustausch, Kontakt zu Experten und vieles mehr. Die Landesregierung NRW unterstützt die Kompetenzzentren als Teil ihrer CSR-Strategie. https://csr.nrw.de

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