Erdgas auf neuen Wegen

Was es mit LNG-Terminals auf sich hat

Alle Welt spricht in letzter Zeit von LNG und LNG-Terminals. Was hat es damit auf sich? Wie kann LNG helfen, die Gasversorgung sicherer zu machen. Und warum ist „Flüssiggas“ eigentlich der falsche Begriff?


Auf dem Ausflugsschiff „Harlekurier“ verkündete Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Anfang Mai, man werde schaffen, „was in Deutschland eigentlich unmöglich ist.“ Nämlich, so Habeck vor der Küste Wilhelmshavens „innerhalb von zehn Monaten ein LNG-Terminal zu errichten und es anzuschließen an die deutsche Gasversorgung.“

Selbst wenn man sich noch so anstrengt: Ein solches Terminal in so kurzer Zeit an Land zu bauen, ist schlicht unmöglich. Deshalb hat Habeck Pachtverträge für vier schwimmende Terminals unterschrieben, sogenannte „Floating Storage and Regasification Units“ (FSRU). Das erste soll schon bis Jahresende vor Wilhelmshaven festmachen und die Arbeit aufnehmen.

LNG? FSRU? Begriffe, die man bislang nicht unbedingt kennen musste. Was genau hat es damit eigentlich auf sich? Und wie kann das, wofür sie stehen, einen substanziellen Beitrag dazu leisten, Deutschland unabhängiger von russischem Gas zu machen?

LNG

LNG wird häufig vereinfacht mit „Flüssiggas“ übersetzt. Doch das ist etwas unpräzise. Denn die Abkürzung steht für „Liquefied Natural Gas“, also verflüssigtes Erdgas. Man sollte es nicht verwechseln mit LPG, also „Liquefied Petroleum Gas“ (verflüssigte petrochemische Gase). Hierbei handelt es sich um ein Gemisch aus Propan und Butan, das als Nebenprodukt bei der Erdöl- und Erdgasgewinnung anfällt. Traditionellerweise wird eigentlich LPG mit dem Begriff „Flüssiggas“ bezeichnet.

LNG hingegen besteht hauptsächlich aus Methan, das bei –164 bis –161 Grad Celsius verflüssigt wird. Auf diese Weise verringert sich das Volumen des Gases auf ein Sechshundertstel der ursprünglichen Ausdehnung, was den Transport und die Lagerung enorm erleichtert. Während uns Erdgas für gewöhnlich auf dem Landweg über Pipelines erreicht, kann es in verflüssigter Form per Schiff auch aus entlegenen Regionen der Welt zu uns kommen. Große LNG-Exporteure sind zum Beispiel die USA, Kanada, Katar und Australien.

LNG-Terminals

Ein LNG-Terminal ist ein logistischer Knotenpunkt, der drei zentrale Dinge erledigt: Er dient erstens der Entladung von Tankschiffen, die das verflüssigte Erdgas anliefern. Zweitens übernimmt er die Aufgabe der sogenannten Regasifizierung, also der Rückwandlung des Gases vom flüssigen in den gasförmigen Zustand. Anschließend wird dann – drittens – das Gas ins Netz eingespeist.

Aktuell plant die Bundesregierung daher den Bau eigener Terminals. Die Verfahren sollen beschleunigt werden, damit die Anlagen möglichst schnell zur Verfügung stehen. Trotzdem brauchen die Vorhaben ihre Zeit: Ein erstes Terminal könnte frühestens 2024, vielleicht auch erst 2025 in Betrieb gehen, ebenfalls in Wilhelmshaven. Die Planungen für weitere Terminals im Stade und Brunsbüttel laufen.

Um die Zeit bis zur Fertigstellung von Terminals an Land zu überbrücken, hat die Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro für die Anmietung von vier schwimmenden Terminals bereitgestellt. Der Plan ist, dass mindestens eines bis Ende des Jahres seinen Betrieb aufnimmt: in Wilhelmshaven, wo aktuell bereits die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass es anlegen und loslegen kann. Die anderen sollen zügig folgen.

Foto: Shutterstock.com


Bedeutung der LNG-Terminals

Die schwimmenden Terminals, die sich Deutschland nun gesichert hat, sind kein Allheilmittel. Ein mächtiger Hebel bei der Umstellung des Gasbezugs sind sie aber sehr wohl: Alle vier Terminals zusammen sollen eine Kapazität von jährlich 27 Milliarden Kubikmetern Gas bewältigen. Das reicht aus, um immerhin etwa die Hälfte der bisherigen Erdgaslieferungen aus Russland zu ersetzen.

Diese Alternative hat ihren Preis, denn Pipelinegas ist gegenüber dem aufwändig verflüssigten, transportierten und schließlich zurückgewandelten LNG unschlagbar günstig. Allerdings herrscht ein breiter Konsens, dass dieser Preis gezahlt werden muss, um sich aus der Abhängigkeit von Russland zu lösen und die Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten. Rund 55 Prozent der in Deutschland benötigten Erdgasmengen kamen 2021 aus Russland.

Foto: Stadtwerke Herne

Stadtwerke-Experte Meise beobachtet die Preisentwicklung auf den Energiemärkten genau. 

„Wie sich die Umstellung eines Teils des deutschen Gasbezugs am Ende auf die Preise genau auswirken wird, ist aktuell noch unklar“, erläutert Andreas Meise, verantwortlich für Beschaffung und Controlling bei den Stadtwerken Herne. „Allerdings muss man wissen, dass die reinen Rohstoffpreise nur einen Teil der Endpreise für unsere Kunden ausmachen. Weit mehr als die Hälfte dieser Endpreise setzen sich aus anderen Bestandteilen wie Steuern, Netznutzungsentgelten, CO2- und Konzessionsabgaben zusammen.“

Dass Erdgas jedoch künftig teurer werden dürfte, scheint gewiss. „Das haben wir als lokaler Versorger nicht in der Hand“, so Meise. „Wir beziehen das Gas für unsere Kunden ja von unseren Vorlieferanten. Wenn künftig grundsätzlich ein höherer Anteil an LNG den Großhandelspreis beeinflussen wird, werden wir wohl ebenfalls mit höheren Bezugspreisen konfrontiert sein.“

Andreas Meise weist aber darauf hin, dass die Stadtwerke Herne ihre Unternehmenskunden tatkräftig dabei unterstützen, energieeffizienter zu werden und so den steigenden Preisen für fossile Energien etwas entgegenzusetzen. „Von der Effizienzberatung über die Unterstützung beim Energiemanagement bis hin zur Umsetzung alternativer Wärmelösungen: Es gibt viele Ansatzpunkte, an denen die Stadtwerke Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sprechen Sie einfach Ihren Kundenbetreuer an – gemeinsam schauen wir, welche Maßnahmen für Ihr Unternehmen in Frage kommen!“


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